ZIA sieht neue Gefahren für Offene Immobilienfonds

Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat am vergangenen Montag den Entwurf eines lang erwarteten Anwendungsschreibens vorgelegt, das erläutert, welche Tätigkeiten Offenen Investmentvermögen (Fonds) künftig erlaubt sein sollen, um in den Genuss der sogenannten transparenten Besteuerung für Investmentfonds nach dem Investmentsteuergesetz (InvStG) zu kommen. Dieses sieht nach Ansicht des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) Verschärfungen vor, die Offene Immobilienfonds in ihrer Existenz gefährden.

Beispielsweise würden „Baumaßnahmen im Bestand künftig steuerliche Nachteile mit sich bringen“. Dr. Hans Volckens, Vorsitzender des ZIA-Ausschusses Steuerrecht: „Damit werden werterhaltende Maßnahmen auf die schwarze Liste gesetzt – zu Lasten der Rendite der Anleger.“

Nach einem Mieterwechsel sind bei älteren Gewerbeimmobilien oft grundlegende Sanierungs- und Umbaumaßnahmen nötig, um neue Mieter zu gewinnen. Dies müsste nach der neuen Auslegung des BMF künftig unterbleiben; die Immobilie müsste unsaniert zu einem niedrigen Preis verkauft werden, so der ZIA. Volckens: „Auch dies geht natürlich zu Lasten der Performance des Fonds.“ Eine solche Anlage wäre so für zahlreiche Investoren uninteressant.

Auch beim Verkauf von Objekten will das BMF die Regeln verschärfen und die aus dem allgemeinen Steuerrecht bekannte „Drei-Objekt-Grenze“ auf Offene Immobilienfonds übertragen. Die Grenze der privaten Vermögensverwaltung soll überschritten sein, wenn mehr als drei Objekte in nicht mehr als fünf Jahren veräußert werden. Diese Abgrenzung ist im Detail schwierig, bisher bestand jedoch Einigkeit, dass sie nicht „ohne weiteres auf offene Immobilienfonds übertragbar ist“. Volckens: „Durch eine sachlich unzutreffende Übertragung der für private Vermögensverwaltung einzelner Bürger entwickelten Grundsätze auf die kollektive und professionelle Geldanlage von Tausenden Anlegern wird das Segment der offenen Immobilienfonds an Maßstäben gemessen, die erkennbar nicht passen.“

Es sei ebenfalls ein gesetzliches Erfordernis, dass Immobilienfonds risikodiversifiziert anlegen, also in eine Vielzahl von Objekten investieren. Volckens: „Nun würden sich die gesetzlichen Vorgaben fast widersprechen; es liegt auf der Hand, dass Immobilien im Interesse der Anleger auch ge- und verkauft werden, um Wertsteigerungen der Objekte zu realisieren.“

Diese Änderungen sind nach Ansicht des ZIA erstaunlich, da der Gesetzgeber in die Begründung zum InvStG ausdrücklich aufgenommen hat, dass sich am bisherigen Status quo nichts ändern sollte. Volckens: „Wir werden diesen Punkt in der jetzt stattfindenden Konsultation nachdrücklich ansprechen.“ Das BMF hat den Verbänden die Gelegenheit eingeräumt, bis 28. August Anmerkungen zu adressieren.

Quelle: Pressemitteilung ZIA

Der Zentrale Immobilien Ausschuss e.V. (ZIA) mit Sitz in Berlin ist eine Interessenvertretung der deutschen Immobilienwirtschaft. Er hat die Verbesserung des wirtschaftlichen, rechtlichen, steuerlichen und politischen Umfelds der Immobilienbranche zum Ziel. Als Unternehmer- und Verbändeverband sind im 2006 gegründeten ZIA rund 170 Mitgliedsunternehmen und 23 Mitgliedsverbände zusammengeschlossen. (DFPA/mv1)

www.zia-deutschland.de

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